Soziale Projekte im Ausland: So planst Du Dein eigenes Projekt

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Thomas Jakel kenne ich persönlich. Er ist Mitgründer des Projektes Wonderpress mit dem er Social Entrepreneuren, angehenden Bloggern und Gründern zeigt, wie sie selbst professionelle Webseiten mit WordPress erstellen können, um ihre Projekte und Ideen bekannt zu machen und mit anderen zu teilen.

Thomas ist 2012 mit dem Fahrrad von Berlin nach Indien gefahren, um Spenden für ein humanitäres Projekt zu sammeln. Mich hat das Thema total begeistert und ich wollte natürlich wissen wie er das gemacht hat.

Wie hast Du die Tour organisiert und welche Schritte hast Du dabei unternommen? 

Enter Thomas:

Im Frühjahr 2012 bin ich mit drei Freunden mit dem Fahrrad von Berlin nach Neu Dehli geradelt um Spenden für ein ökologisches Toilettenprojekt in Thomas IndienIndien zu sammeln. Seit 2012 haben wir und unsere Partner in Indien Dutzende Toiletten gebaut. Auch aktuell bauen wir eine Unterkunft und ökologische Toiletten für ein Internat, in dem hunderte Kinder aufwachsen ohne Zugang zu Toiletten.  In diesem Beitrag geht es darum, wie wir die Tour nach Indien geplant haben und was unsere wichtigsten Learnings waren.

Von hier oben sieht es schön aus. Irgendwie klar. Man hat einen guten Überblick. Zurückzuschauen, erlaubt einem in der Regel eine andere Perspektive einzunehmen, als wenn man gerade mitten im Geschehen steckt. Ich kann die Erlebnisse der letzten zwei Jahre heute aus der Hubschrauberperspektive sehen.

Und wenn ich die Tour nochmal planen würde, dann würde ich so vorgehen, wie ich es in diesem Artikel beschreibe. Damals habe ich die Tour ähnlich geplant. Auch wenn mir das nicht ganz so bewusst war.

Die Idee

Der erste Schritt für das Projekt war natürlich die Idee. Wie kam ich zu der Idee mit dem Rad von Berlin nach Indien zu fahren?

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht ganz genau. Irgendwie ist die Idee über Monate in mir entstanden. Durch verschiedene Bücher und Erfahrungen. Der „Wow“ Moment, mit der Realisierung, dass ich mit dem Fahrrad von Berlin nach Indien fahren MUSS, kam mir bei einer Tasse Tee an einem grauen Oktoberabend, nachdem ich von einem Kurzurlaub in Indien zurückgekehrt war.

Ich glaube, dass viele gute Ideen über die Zeit wachsen. Kreativität braucht oft Zeit und Muße. Über das Mindset zum Ideen finden habe ich auf unserem Blog ausführlicher geschrieben: Mindset zum Ideen finden.

Habe ein WARUM – Starte mit der Vision

Die Idee für die Fahrradtour war spannend und fesselnd. Aber die eigentliche Vision kam erst in das Projekt, als wir genau wussten, für welchen Zweck wir Thomas Plattenfahren würden. Als die Entscheidung getroffen war, dass wir mit der Tour:

–        Geld sammeln würden, um Toiletten für Familien zu bauen

–        Auf die weltweite Sanitärkrise aufmerksam machen würde

–        Ein Projekt anstoßen würden, dass wir noch über Jahre weiterführen würden

kam eine übergeordnete Vision zu der ursprünglichen Idee hinzu, die sicherlich auch dazu beitrug, dass wir es bis nach Indien schafften.

Die übergeordnete Vision ist der Grund, warum wir nach wie vor Unterstützung von ehrenamtlichen Mitarbeitern, Journalisten, anderen NGO’s und Partnern vor Ort erhalten. Die Fahrradtour mag kurzfristig spannend sein. Aber ich glaube, dass nur die Tour in Verbindung mit der Vision sowohl für uns, als auch für Außenstehende inspirierend ist.

Simon Sinek spricht in seinem absolut sehenswerten TED Talk über „Start with Why. Meine persönlichen Erfahrungen stimmen mit seinem Vortrag überein. 

Team im Iran

Tue Gutes und spreche darüber

Wenn Du eine Idee und eine Vision hast, dann ist es Zeit darüber zu sprechen. Wenn Du die Vision nicht nach außen trägst und kommunizierst, dann kann Dir auch niemand helfen.

Und je nach dem welche Größenordnung Dein Projekt hat, wirst Du komplett oder vielleicht auch nur teilweise auf die Unterstützung anderer Menschen angewiesen sein. Je inspirierender, authentischer und konsequenter Deine Vision und Kommunikation, desto mehr Unterstützung kannst Du auch erwarten.

In unserem Fall gab es noch einen wichtigen Grund möglichst früh über die Vision zu sprechen – öffentliches Commitment. Das öffentliche Commitment diente uns und insbesondere mir, als eine Absicherung dagegen, die Tour kurzfristig abzusagen.

Eine kleine Komfortzonen Challenge war es schließlich schon, sich im verregneten April auf das Fahrrad zu schwingen und vom Brandenburger Tor aus in Richtung Indien zu strampeln. Hätte niemand davon gewusst, dass wir nach Indien radeln wollen, dann wäre ich vielleicht doch lieber in meinem warmen Bett geblieben und hätte den Sonntagnachmittag beim Brunch mit Freunden verbracht.

Das ich allen Freunden und Bekannten erzählt hatte, dass ich mit dem Fahrrad nach Indien fahren würde, hat sicherlich nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass wir es am Ende auch durchgezogen haben.

Erstelle Deinen Masterplan

Nachdem ich die Vision auf einer provisorischen Facebookseite und einer provisorischen Webseite geteilt hatte, war es erst mal an der Zeit einen konkretenBayerischer WaldPlan aufzustellen und alle offenen Fragen zu sammeln:

–        Fragen zum Projekt:

  • Welches Projekt wollen wir ganz konkret fördern bzw. erschaffen?
  • Wie viele Toiletten können wir bauen?
  • Wie viel Geld werden wir für das Projekt benötigen?
  • Wer macht die Logistik vor Ort?
  • Von welchen bestehenden Projekten kann man lernen?
  • Welche Partner sollten wir an Bord holen, um das Projekt erfolgreich zu machen?
  • Welche Fundraising Strategien können wir fahren um das Projekt zu funden?
  • Usw.

–        Fragen zur Fahrradtour:

  • Welche Route soll gefahren werden?
  • Wer hat solche oder ähnliche Touren schon mal gemacht und wen können wir um Support bitten?
  • Welche Ausrüstungsgegenstände brauchen wir?
  • Wie viel Geld muss man pro Monat einplanen?
  • Wie sieht es mit den Visa aus?
  • Wie sieht es mit der Kommunikation und dem Internet aus, wenn man unterwegs ist?
  • Wo werden wir schlafen?
  • Wer kann die Tour filmen?
  • Wie kann man den Film zur Tour finanzieren?
  • Wer kann, möchte und sollte mitfahren?
  • Wo bekommen wir gute Fahrräder her?
  • Wie sieht eine gute Sponsoring Strategie aus?
  • Was sind die „Must Have’s“ damit wir losfahren können?
  • Wann soll es losgehen?
  • Wie machen wir auf die Tour und auf unsere Vision aufmerksam?
  • Usw.

cycling-thomasAus diesen und anderen Stichpunkten ließ sich gut eine Mindmap erstellen, die wiederum zu jedem Unterpunkt verschiedene Unterpunkte hatte. Ein gutes Tool zum Mindmap erstellen, ist beispielsweise das kostenlose FreeMind. Die einzelnen Punkte aus der Mindmap habe ich wiederum in ein Google Doc übertragen, auf welches das gesamte Team Zugriff hatte.

Der letzte aber absolut essentielle Punkt war, die einzelnen To Do’s zu priorisieren, damit man sich nicht in Details verliert. Was sind die absoluten „Must Have’s“, die es auf Projektseite gibt? Und was musste unbedingt getan werden, damit wir mit dem Fahrrad losrollen konnten?

Vervollständige das Puzzle

Nachdem Du einen Masterplan erstellt hast, ist es an der Zeit an die Arbeit zu gehen und das Puzzle zu vervollständigen.

Ich persönlich denke stark in Komponenten.

Zum Beispiel stand ich vor der Frage, wer uns die Projektkomponente „liefern“ konnte. Nach kurzer Recherche entdeckte ich die German Toilet Organization (GTO). Eine Email und ein Treffen später und wir hatten einen gemeinnützigen Partner in Deutschland. Die GTO kannte glücklicherweise auch eine NGO in Indien, die sich mit nachhaltigen Toiletten auskannte. Nach einem gemeinsamen Skype Call hatten wir auch einen Partner in Indien, der die Organisation und Bauplanung in Indien übernehmen würde. Die Projektkomponente stand also weitestgehend.

Auf diese Weise konnten wir uns nach und nach sämtliche weitere Komponenten für die Fahrradtour zusammen suchen.

Eine Agentur übernahm die Visa Anträge für uns.

Virtuelle Persönliche Assistenten schrieben in meinem Namen mögliche Fahrradsponsoren an.

Und Johann Angermann übernahm die Hauptverantwortung für die Dokumentation der Tour in Film und Ton, woraus letztendlich der Dokumentarfilm „Guts for Change – the documentary“ wurde.

Hätte ich versucht alles alleine zu machen, hätte ich vermutlich nie ein funktionierendes Projekt auf die Beine gestellt. Aber gemeinsam mit Partnern und Freunden, die genau wie ich von der Vision inspiriert waren, konnten wir in kurzer Zeit viel erreichen.

Lerne zu surfen und bleibe am Ball

Die letzten beiden Schritte waren vielleicht auch gleichzeitig die wichtigsten und die, die ich auch jetzt noch jeden Tag versuche in mein Leben zu
integrieren. Lerne zu surfen und dich von der Welle tragen zu lassen. Und bleibe am Ball.

Village Toilet

Was bedeutet das im Kontext von Guts for Change?

Es ist wichtig, flexibel zu bleiben und offen zu sein für das was passiert. Oder kurz ausgedrückt: Habe Vertrauen und gehe weiter. Egal wie klein die Schritte auch sein mögen.

Die Planungsphase für die Fahrradtour war bei uns beispielsweise relativ kurz angesetzt. Wir hatten zwar rein theoretisch fünf Monate um das Projekt und die Tour zu planen, Sponsoren zu finden und alles vorzubereiten.

Aber letztendlich haben wir das meiste innerhalb von anderthalb Monaten erledigt. Die Visumsanträge habe ich einen Tag vor Abfahrt bei der Agentur eingereicht. Die letztendliche feste Zusage meiner Mitfahrer, habe ich erst einige Tage vor Tourstart bekommen (ich kann mich noch erinnern, dass ich geradezu erstaunt war, dass wir am Abfahrtstag ein vollständiges Team waren) und auch der Projektpartner in Indien war erst wenige Wochen vor Startschuss fest an Bord.

Vieles von dem was ich noch geplant hatte, ließ sich aufgrund der knappen Zeit nicht perfekt umsetzen. Und es gab genug Anlässe bei denen man hätte nervös werden können. Aber irgendwann habe ich mich dazu entschlossen zu surfen und mich von der Welle tragen zu lassen. Und letztendlich hat genau das auch dazu beigetragen, dass das Projekt erfolgreich war und wir alle gesund und als Team in Indien ankamen.

Was das am Ball bleiben angeht, war für uns klar, dass wir nicht eine einmalige Spendenaktion machen wollten. Stattdessen sollte sich das Projekt peux á peux in ein Social Business verwandeln, das regelmäßig finanzielle Mittel erwirtschaftet, mit dem weitere Toiletten gebaut werden können. Es wäre einfach gewesen, sich nach der erfolgreichen Finanzierung der Toiletten zurückzulehnen.

Für uns hieß am Ball bleiben, dass wir weiterhin unserer Vision folgen. Letztendlich haben wir das getan, in dem wir seit Juni 2013 ökologische Miettoiletten an Festivals in Deutschland verleihen, um eine Alternative zu den Chemietoiletten zu bieten. Einen Teil der Einnahmen nutzen wir, um weitere Toiletten in Indien zu bauen. Auch in diesem Projekt geht es zum Teil langsam voran.

Hier findest Du das Projekt auf betterplace.org. Aber wenn wir am Ball bleiben, ist es fast schon ausgeschlossen, dass es nicht vorwärtsgeht und wir irgendwann unser Ziel erreichen.

Falls Du weitere Infos dazu suchst, wie wir Guts for Change gestartet haben: In diesem Beitrag auf unserem Blog habe ich weiteres darüber geschrieben, wie Guts for Change gestartet wurde.

Thomas

Vielen Dank Thomas für Deinen Bericht und Deine Tipps!!! Hier kannst Du noch meine bisherige Karriere mit dem Thema lesen Do it yourself Charity: Meine Erkenntnisse & Mein Plan.


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Meine Empfehlung: Die kostenlose DKB Karte

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1 Kommentar

  1. Ralf Thode

    Ich bin froh, diesen Blog mit den Suchbegriffen “charity projekte bekannt machen” gefunden zu haben. Auch ich bin aktuell damit beschäftigt ein Charity Projekt in Nigeria ins Leben zu rufen. Ziel dieses Projektes ist es, denNIgerianern im Rahmen der Globalisierung zu vermitteln, wie man sein EInkommen mit dem Internet ein wenig zu erhöhen. Es soll den Menschen dort und auch im weiteren Afrika der Support ermöglicht werden, den eigenen Blog zu betreiben, eigene Produkte zu bewerben und zu vertreiben. Somit werden kleine Mikro-Unternehmen gegründet deren Einstands und -laufende Kosten sehr übersichtlich sind. MIt professioneller und soll aber auch verhindert werden, dass die Menschen dort mit Ihrer UNerfahrenheit in Abo- und Kostenfallen geraten, die das Wagnis “Unternehmen” von Anfang an zum scheitern verurteilen.

    Es würde mich sehr freuen, konstruktive Komentare zu meinem Vorhaben zu erhalten, dass genauso humanitär it, wie das in Feli’S Blog beschriebene Vorhaben.