Wer nach China reist, merkt ziemlich schnell: Ohne Smartphone geht erstaunlich wenig. Bezahlen, Taxi fahren, navigieren, Restaurants finden, Speisekarten öffnen oder mit Hotels kommunizieren – vieles läuft über Apps und QR-Codes.

Die gute Nachricht: Für ausländische Reisende ist das heute deutlich einfacher als noch vor ein paar Jahren.

Wir waren inzwischen mehrfach in China und unser Setup ist mittlerweile ziemlich klar: Alipay, WeChat und Amap gehören für uns vor der Reise aufs Handy. Mehr braucht man für den Anfang eigentlich nicht.

Und wenn wir nur eine einzige App auswählen dürften, wäre es ganz klar Alipay.

Alipay: Ohne würden wir heute nicht mehr nach China reisen

Alipay ist für uns die wichtigste App in China.

China ist im Alltag nahezu komplett auf mobiles Bezahlen ausgerichtet. Im Café, im Restaurant, im Supermarkt, beim Taxi oder am kleinen Straßenstand: Bezahlt wird meistens per QR-Code.

Genau hier hat sich für internationale Reisende in den letzten Jahren enorm viel getan.

Früher war das Thema Bezahlen in China ziemlich mühsam. Chinesisches Bankkonto, chinesische Telefonnummer, Tour Pass und allerlei Workarounds waren ständig Thema.

Heute ist es viel unkomplizierter.

Ihr könnt euch bei Alipay mit einer internationalen Telefonnummer registrieren, euch mit eurem Reisepass verifizieren und anschließend eine internationale Kredit- oder Debitkarte hinterlegen.

Wir würden dabei immer empfehlen, mindestens zwei Karten einzurichten – idealerweise von unterschiedlichen Banken und wenn möglich einmal Visa und einmal Mastercard.

Denn auch wenn Alipay grundsätzlich funktioniert, kann es immer mal sein, dass eine einzelne Karte oder Zahlung von der Bank abgelehnt wird.

Mit zwei Karten seid ihr wesentlich entspannter unterwegs.

So bezahlt man mit Alipay

Im Alltag gibt es meistens zwei Varianten.

Entweder ihr scannt den QR-Code des Restaurants oder Geschäfts und gebt anschließend den Betrag ein.

Oder ihr öffnet euren eigenen Bezahlcode in Alipay und dieser wird an der Kasse gescannt.

Das klingt vor der Reise vielleicht erst einmal ungewohnt, aber nach zwei Tagen denkt man nicht mehr darüber nach.

Alipay funktioniert inzwischen so zuverlässig, dass wir darüber einen großen Teil unserer täglichen Ausgaben in China bezahlen.

Vom Kaffee für ein paar Yuan bis zum normalen Restaurantbesuch.

Achtung bei höheren Beträgen

Ein Punkt ist allerdings wichtig.

Wenn ihr über Alipay mit einer internationalen Kreditkarte bezahlt, können bei höheren Beträgen zusätzliche Gebühren entstehen.

Gerade deshalb lohnt es sich unserer Erfahrung nach inzwischen wieder häufiger, bei größeren Rechnungen nach einer direkten Kreditkartenzahlung zu fragen.

Und genau hier hat sich in China etwas verändert.

Kredit- und Debitkarten werden wieder deutlich häufiger akzeptiert

Das ist tatsächlich eine der Entwicklungen, die uns bei unseren letzten Reisen am meisten aufgefallen ist.

Internationale Kredit- und Debitkarten werden in China wieder zunehmend direkt akzeptiert.

Vor allem bei:

  • besseren Restaurants
  • gehobenen Hotels
  • größeren Shoppingcentern
  • international ausgerichteten Geschäften
  • hochwertigen Bars und Restaurants

würden wir mittlerweile immer fragen, ob Visa oder Mastercard akzeptiert wird.

Das wäre vor einigen Jahren noch deutlich weniger selbstverständlich gewesen.

Gerade bei größeren Rechnungen kann die direkte Kartenzahlung sinnvoller sein als der Umweg über Alipay.

Unser Prinzip ist deshalb inzwischen ziemlich einfach:

Kleine und normale Beträge bezahlen wir mit Alipay. Bei höheren Restaurant- oder Hotelrechnungen probieren wir zuerst die Kreditkarte direkt.

Natürlich sollte man sich darauf nicht verlassen.

Beim kleinen Nudelrestaurant, Straßenstand oder winzigen Café ist Alipay weiterhin mit Abstand die bessere Lösung.

Aber die klassische Kreditkarte ist in China längst nicht mehr so nutzlos, wie viele ältere Reiseberichte behaupten.

Nicht jeder QR-Code funktioniert gleich

Ein kleiner Stolperstein, den man kennen sollte:

Nicht jeder QR-Code bedeutet automatisch, dass ihr problemlos mit eurer hinterlegten internationalen Karte bezahlen könnt.

Alipay funktioniert besonders gut bei offiziellen Händlerzahlungen.

Wenn euch dagegen beispielsweise ein privater Fahrer, Marktverkäufer oder eine Privatperson einen persönlichen QR-Code zeigt, kann es passieren, dass die Zahlung mit einer ausländischen Karte nicht funktioniert.

Deshalb haben wir trotz allem immer etwas Bargeld dabei.

Keine großen Mengen.

200 bis 500 RMB als Reserve reichen für uns völlig aus.

Man braucht es wahrscheinlich kaum. Aber genau in dem einen Moment, in dem irgendein QR-Code nicht funktioniert, ist man froh darüber.

Alipay ist inzwischen viel mehr als nur eine Bezahl-App

Was Alipay besonders praktisch macht: Die App entwickelt sich immer mehr zur kompletten Reise-App für China.

Innerhalb von Alipay gibt es sogenannte Mini-Programs.

Darüber lassen sich je nach Stadt zum Beispiel:

  • Taxis bestellen
  • Metro und öffentliche Verkehrsmittel nutzen
  • Tickets kaufen
  • Restaurants finden
  • Sehenswürdigkeiten buchen
  • weitere lokale Services verwenden

Vieles davon funktioniert inzwischen auch deutlich besser auf Englisch als noch vor ein paar Jahren.

Für Touristen ist Alipay dadurch mittlerweile fast so etwas wie ein Schweizer Taschenmesser für China.

DiDi: Taxi fahren – direkt über Alipay

Eine App, die wir in China ständig nutzen, haben wir bislang noch gar nicht erwähnt: DiDi.

DiDi ist vereinfacht gesagt das chinesische Uber – und für uns eine der angenehmsten Möglichkeiten, sich in chinesischen Städten fortzubewegen.

Das Praktische: Ihr müsst DiDi nicht unbedingt als eigene App installieren.

Der Service ist direkt in Alipay integriert. Dort könnt ihr unter „Transport“ beziehungsweise „Taxi“ ein Auto bestellen, Abholort und Ziel eingeben und verschiedene Fahrzeugkategorien auswählen.

Für uns ist genau das einer der Gründe, warum Alipay in China so wichtig ist: Man bezahlt damit eben nicht nur seinen Kaffee, sondern bestellt darüber auch gleich das nächste Taxi.

DiDi nutzen wir vor allem abends, mit Gepäck oder für Strecken, bei denen die Metro umständlich wäre. Die Preise sind im Vergleich zu Deutschland meist erstaunlich günstig und man sieht schon vor der Buchung ungefähr, was die Fahrt kosten wird.

Ein weiterer riesiger Vorteil gegenüber einem klassischen Taxi: Das Ziel steht bereits in der App.

Man muss also keinem Taxifahrer eine chinesische Adresse vorlesen oder versuchen zu erklären, welches Hotel gemeint ist. Ziel eingeben, Fahrt bestellen, einsteigen.

Gerade wenn man kein Chinesisch spricht, macht das einen enormen Unterschied.

Der schwierigste Teil bei DiDi: das richtige Auto finden

Die eigentliche Bestellung ist meistens unkompliziert.

Interessanter wird es manchmal beim Abholen.

An Flughäfen, großen Bahnhöfen oder Shoppingcentern gibt es häufig festgelegte Pick-up-Zonen. Und die können sich in China gerne mal über mehrere Ebenen, Parkhäuser oder unterschiedliche Ausgänge verteilen.

Unser Tipp: Nach der Buchung nicht einfach irgendwo stehen bleiben, sondern genau auf den angegebenen Abholpunkt achten.

Außerdem schauen wir immer auf die letzten Ziffern des Kennzeichens und auf das angezeigte Fahrzeug.

Das erspart viel Sucherei.

Manchmal versucht ein Fahrer auch anzurufen. Das ist ohne Chinesisch natürlich nur bedingt hilfreich. Meistens bekommt man die Abholung aber trotzdem über Standort, Kennzeichen und Nachrichten in der App geregelt.

Braucht man die separate DiDi-App?

Für eine normale Chinareise unserer Meinung nach: nein.

DiDi lässt sich bequem über Alipay nutzen und genau so würden wir es zunächst machen.

Wer länger in China bleibt oder DiDi sehr häufig benutzt, kann zusätzlich die DiDi-Greater-China-App installieren. Auch sie lässt sich inzwischen mit ausländischer Telefonnummer registrieren und unterstützt internationale Kreditkarten.

Für die meisten Reisenden würden wir das Smartphone aber nicht unnötig mit zusätzlichen chinesischen Apps vollpacken.

Damit wird aus unserer ursprünglichen Liste auch keine „Diese vier Apps braucht ihr“-Story.

Es bleiben für uns ganz bewusst drei Apps:

Alipay – Bezahlen, DiDi und viele weitere Services

WeChat – Kommunikation und Backup zum Bezahlen

Amap – Navigation und öffentlicher Nahverkehr

DiDi ist trotzdem unverzichtbar.

Es steckt nur praktischerweise schon in Alipay.

WeChat: In China viel mehr als WhatsApp

Die zweite App, die wir unbedingt installieren würden, ist WeChat.

WeChat wird häufig als das chinesische WhatsApp bezeichnet.

Das stimmt ungefähr so sehr, wie wenn man sagen würde, ein Smartphone sei ein Telefon.

Messaging ist nur ein kleiner Teil davon.

WeChat ist in China Kommunikationsplattform, soziales Netzwerk, Bezahlsystem, Kundenservice und App-Plattform gleichzeitig.

Für Reisende wird WeChat vor allem dann wichtig, wenn man mit Menschen oder Unternehmen vor Ort kommuniziert.

Hotels, Guides, Restaurants oder andere Kontakte schicken euch häufig einfach ihren WeChat-QR-Code.

Statt einer E-Mail-Adresse bekommt man einen WeChat-Kontakt.

Auch Restaurantreservierungen, Speisekarten oder Buchungssysteme laufen teilweise über sogenannte WeChat Mini Programs.

Deshalb gehört WeChat für uns ebenfalls immer aufs Handy.

WeChat Pay als Backup einrichten

Auch WeChat Pay würden wir aktivieren.

Nicht unbedingt, weil wir ständig damit bezahlen.

Alipay bleibt für uns die Nummer eins.

Aber beim Thema Bezahlen in China gilt: Ein Backup ist extrem wertvoll.

Wenn Alipay bei einem Händler aus irgendeinem Grund nicht funktioniert, probieren wir einfach WeChat Pay.

Auch dort lassen sich internationale Karten hinterlegen.

Damit haben wir zwei voneinander unabhängige Systeme auf dem Handy.

Unser Setup sieht deshalb so aus:

Alipay = primäres Bezahlsystem

WeChat = Kommunikation, Mini Programs und Backup zum Bezahlen

Damit kommt man im Alltag ziemlich weit.

Amap: Unsere wichtigste App zur Navigation

Die dritte App ist Amap.

Vielleicht findet ihr sie auch unter dem Namen Gaode Maps oder 高德地图.

Amap ist einer der großen chinesischen Kartendienste und für uns mittlerweile die mit Abstand praktischste Navigations-App im Land.

Google Maps würden wir für China nicht empfehlen.

Viele Informationen sind veraltet oder unvollständig und die Navigation ist schlicht nicht mit lokalen Diensten vergleichbar.

Amap kennt China dagegen bis ins Detail.

Restaurants, Hotels, Metrostationen, Buslinien, Fußwege und lokale Geschäfte sind deutlich besser erfasst.

Besonders praktisch finden wir Amap beim öffentlichen Nahverkehr.

Die App zeigt euch nicht nur, welche Metro ihr nehmen müsst, sondern auch, welchen Ausgang der Station ihr nehmen solltet.

Das klingt nach einer Kleinigkeit.

In chinesischen Großstädten kann es euch aber locker zehn oder fünfzehn Minuten Fußweg sparen.

Manche Metrostationen sind riesig und haben zahlreiche Ausgänge.

Wer den falschen nimmt, steht plötzlich auf der komplett falschen Seite einer achtspurigen Straße.

Amap funktioniert inzwischen deutlich besser auf Englisch

Früher war Amap für ausländische Reisende zwar extrem gut, aber teilweise schwierig zu bedienen.

Die englische Version hat sich inzwischen massiv verbessert.

Viele Hotels, Restaurants, Sehenswürdigkeiten und Straßen werden auf Englisch angezeigt und auch die Navigation ist wesentlich einfacher geworden.

Trotzdem speichern wir wichtige Orte zusätzlich immer auf Chinesisch.

Vor allem beim Hotel.

Am besten habt ihr irgendwo auf dem Handy:

Hotelname auf Englisch
Hotelname auf Chinesisch
chinesische Adresse
Telefonnummer

Das hilft nicht nur bei Amap.

Ihr könnt die Adresse auch jederzeit einem Taxifahrer oder anderen Menschen vor Ort zeigen.

Chinesische Namen sind beim Suchen Gold wert

Das gilt übrigens nicht nur fürs Hotel.

Wenn ihr ein Restaurant, Café oder eine Sehenswürdigkeit nicht findet, sucht nach dem chinesischen Namen.

Gerade kleinere Restaurants sind unter ihrer englischen Übersetzung manchmal überhaupt nicht auffindbar.

Wir kopieren deshalb häufig einfach den chinesischen Namen aus einer Reservierung, aus WeChat oder von einer Website und fügen ihn in Amap ein.

Das funktioniert meistens erheblich besser.

Unser Setup vor jeder Chinareise

Bevor wir nach China fliegen, machen wir inzwischen immer das Gleiche.

Alipay installieren und vollständig einrichten.

Reisepass verifizieren und mindestens eine, besser zwei Karten hinterlegen.

WeChat installieren und Account einrichten.

Wenn möglich ebenfalls eine Karte für WeChat Pay hinterlegen.

Amap installieren.

Das erste Hotel und wichtige Orte schon vor der Reise speichern.

Außerdem überprüfen wir, ob unsere Kreditkarten für Zahlungen in China freigeschaltet sind und ob wir mit unserer Telefonnummer weiterhin SMS und Banking-Codes empfangen können.

Die physischen Kreditkarten kommen natürlich ebenfalls mit.

Und zusätzlich haben wir ein paar hundert RMB Bargeld als Backup dabei.

Mehr Vorbereitung braucht es beim Thema Apps eigentlich nicht.

Was sich beim Reisen in China verändert hat

Gerade beim Bezahlen finden wir spannend, wie schnell sich die Situation für ausländische Reisende verändert hat.

Vor einigen Jahren war die Standardwarnung vor einer Chinareise noch:

„Bezahlen ist kompliziert.“

Heute würden wir das so nicht mehr sagen.

Wenn Alipay vor der Reise richtig eingerichtet ist, funktioniert das Bezahlen im Alltag erstaunlich unkompliziert.

Und gleichzeitig erleben wir inzwischen immer häufiger, dass internationale Kredit- und Debitkarten direkt akzeptiert werden.

Vor allem im höherpreisigen Segment.

China bleibt zwar eine nahezu komplett mobile Payment-Welt.

Aber für Reisende ist der Zugang dazu inzwischen erheblich einfacher geworden.

Unsere Empfehlung für 2026 ist deshalb simpel:

Alipay für den Alltag. WeChat für Kommunikation und als Backup. Amap für die Navigation.

Und die Kreditkarte?

Die bleibt weiterhin dabei.

Nur eben längst nicht mehr ausschließlich als Notlösung.