Ein zweiter Reisepass klingt zunächst nach etwas, das Diplomaten, Multimillionären oder Figuren aus einem Spionagefilm vorbehalten ist. Tatsächlich gibt es aber eine ganze Reihe von Staaten, die ausländischen Investoren einen klar geregelten Weg zur Staatsbürgerschaft anbieten.
Das Prinzip nennt sich Citizenship by Investment, kurz CBI.
Je nach Land reicht eine nicht rückzahlbare Einzahlung in einen staatlichen Fonds. Andere Programme verlangen den Kauf einer Immobilie, eine Unternehmensinvestition oder eine Kombination aus Investment und staatlichen Gebühren.
Die Einstiegskosten beginnen inzwischen bei rund 90.000 US-Dollar und reichen bei immobilienbasierten Programmen bis weit über 400.000 US-Dollar.
Aber lohnt sich das überhaupt?
Vor allem für Deutsche ist die Frage interessant. Denn mit einem deutschen Reisepass besitzt man bereits einen der weltweit stärksten Pässe. Wer ausschließlich möglichst viele Länder ohne Visum bereisen möchte, braucht deshalb normalerweise keinen zweiten Pass.
Eine zweite Staatsbürgerschaft kann trotzdem sinnvoll sein.
Nicht unbedingt als Reise-Hack, sondern als langfristige Diversifikation des eigenen Lebens.
Ein zweites Land, in das man jederzeit einreisen darf. Ein zusätzliches dauerhaftes Aufenthaltsrecht. Eine weitere Staatsangehörigkeit, die man möglicherweise an seine Kinder weitergeben kann. Und vor allem: eine Option, die nicht von einem Visum oder einer jederzeit veränderbaren Aufenthaltserlaubnis abhängt.
Genau darum geht es in diesem Ratgeber.
Das Wichtigste in Kürze
- Citizenship by Investment bedeutet, dass ein Staat qualifizierten Investoren nach einer finanziellen Investition die volle Staatsbürgerschaft verleihen kann.
- Zu den bekanntesten Programmen gehören Dominica, Grenada, Antigua und Barbuda, St. Lucia und St. Kitts und Nevis.
- Mit São Tomé und Príncipe sowie Nauru sind in den vergangenen Jahren neue Programme hinzugekommen.
- Die derzeit günstigsten Programme beginnen bei etwa 90.000 bis 115.000 US-Dollar plus Gebühren.
- Ein zweiter Pass verändert nicht automatisch deine steuerliche Ansässigkeit.
- Ebenso wenig verschwindet damit CRS, KYC oder die Pflicht, Banken deine tatsächliche Steueransässigkeit mitzuteilen.
- Deutsche können seit dem 27. Juni 2024 grundsätzlich freiwillig eine weitere Staatsangehörigkeit erwerben, ohne dadurch die deutsche zu verlieren.
- Für österreichische Staatsbürger sieht die Situation wesentlich komplizierter aus.
- Der Wert eines CBI-Passes hängt nicht nur von visumfreien Ländern ab. Politische Stabilität, internationale Anerkennung, Aufenthaltsrechte, Familienregeln und die Qualität des Programms sind mindestens genauso wichtig.
- Visaabkommen sind niemals garantiert. Vanuatu verlor beispielsweise seine Visumfreiheit für die EU und das Vereinigte Königreich aufgrund von Bedenken rund um sein CBI-Programm.
Was bedeutet Citizenship by Investment?
Citizenship by Investment ist ein gesetzlich geregeltes Verfahren, bei dem ein Staat ausländischen Antragstellern die Staatsbürgerschaft gewährt, wenn sie bestimmte wirtschaftliche Voraussetzungen erfüllen.
Das kann beispielsweise sein:
- eine Spende an einen staatlichen Entwicklungsfonds,
- der Kauf einer staatlich zugelassenen Immobilie,
- eine Unternehmensinvestition,
- der Erwerb von Staatsanleihen,
- oder eine Kombination verschiedener Komponenten.
Wichtig ist dabei das Wort Staatsbürgerschaft.
Du bekommst nicht einfach ein Aufenthaltsvisum. Nach erfolgreichem Abschluss wirst du tatsächlich Staatsbürger des jeweiligen Landes und kannst anschließend einen Reisepass beantragen.
Je nach Programm kann die Staatsangehörigkeit außerdem an Kinder weitergegeben werden.
Das unterscheidet Citizenship by Investment grundlegend von den bekannten Golden-Visa-Programmen.
Citizenship by Investment ist nicht dasselbe wie ein Golden Visa
Diese beiden Begriffe werden erstaunlich oft durcheinandergeworfen.
Ein Golden Visa gibt dir zunächst nur ein Aufenthaltsrecht.
Beispiele sind beziehungsweise waren verschiedene Investor-Residence-Programme in Portugal, Griechenland oder den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Nach mehreren Jahren kann daraus unter Umständen eine permanente Aufenthaltserlaubnis oder sogar eine Einbürgerungsmöglichkeit entstehen.
Aber der Pass kommt nicht automatisch mit dem Investment.
Bei einem echten CBI-Programm sieht das anders aus:
Investment → Due Diligence → Genehmigung → Staatsbürgerschaft.
Eine jahrelange Einbürgerungsphase ist normalerweise nicht erforderlich.
Und was ist mit der Steuerresidenz?
Hier entsteht einer der größten Irrtümer rund um zweite Pässe.
Staatsbürgerschaft und Steuerresidenz sind zwei unterschiedliche Dinge.
Du kannst beispielsweise Staatsbürger von Grenada sein, ohne dort steuerlich ansässig zu sein.
Genauso kannst du steuerlich in Dubai, Thailand oder Georgien leben, ohne Staatsbürger dieses Landes zu sein.
Für die steuerliche Ansässigkeit zählen normalerweise Kriterien wie:
- tatsächlicher Wohnsitz,
- Aufenthaltsdauer,
- Mittelpunkt der Lebensinteressen,
- lokale gesetzliche Regeln,
- gegebenenfalls bestehende Doppelbesteuerungsabkommen.
Ein zweiter Pass ist deshalb kein Steuertrick.
Und er beseitigt auch nicht automatisch den Common Reporting Standard.
Eine Bank fragt nicht nur:
Welchen Pass besitzt du?
Sie möchte normalerweise auch wissen:
Wo wohnst du? Wo bist du steuerlich ansässig? Woher kommt dein Vermögen?
Wer einen zweiten Pass primär kauft, um gegenüber Banken seine tatsächliche Steuerresidenz zu verschleiern, hat das Konzept nicht verstanden und kann sich erhebliche Probleme einhandeln.
Warum überhaupt eine zweite Staatsbürgerschaft?
Für jemanden mit einem deutschen oder Schweizer Pass ist der Nutzen anders als für einen Menschen mit einem Pass, der umfangreichen Visabeschränkungen unterliegt.
Die interessantesten Gründe sind meiner Meinung nach andere.
1. Ein echter Plan B
Eine Residency kann auslaufen.
Ein Visum kann abgeschafft werden.
Gesetze können sich ändern.
Eine ordnungsgemäß erworbene Staatsbürgerschaft ist dagegen normalerweise ein wesentlich stärkeres Recht.
Als Bürger besitzt du grundsätzlich das Recht, in dein eigenes Land einzureisen und dort zu leben.
Genau diese Redundanz macht eine zweite Staatsbürgerschaft interessant.
2. Internationale Diversifikation
Wer sein gesamtes Leben auf ein einziges Land konzentriert, besitzt eine enorme geografische Abhängigkeit.
Wohnsitz.
Pass.
Bankkonten.
Unternehmen.
Immobilien.
Vermögen.
Alles hängt letztlich von derselben Jurisdiktion ab.
Eine zweite Staatsbürgerschaft kann ein weiterer Baustein internationaler Diversifikation sein – ähnlich wie mehrere Bankbeziehungen, verschiedene Wohnsitze oder Investments in unterschiedlichen Ländern.
3. Absicherung für die Familie
Viele CBI-Programme erlauben die gemeinsame Beantragung mit:
- Ehepartnern,
- Kindern,
- teilweise Eltern oder Großeltern.
Je nach Staatsangehörigkeitsrecht können auch später geborene Kinder die Staatsbürgerschaft erhalten.
Damit kann ein Investment weit über die eigene Generation hinausreichen.
4. Zusätzliche Reisemöglichkeiten
Für deutsche Staatsbürger ist das häufig kein entscheidender Vorteil.
Für andere Nationalitäten kann es dagegen einer der Hauptgründe sein.
Ein Bürger aus einem Land mit einem schwächeren Reisepass kann durch einen karibischen Pass deutlich mehr internationale Mobilität erhalten.
Allerdings sollte man hier niemals nur auf Rankings schauen.
Visaabkommen können sich ändern.
Darauf kommen wir noch zurück.
5. Geschäftliche Optionen
Eine weitere Staatsangehörigkeit kann in bestimmten Situationen zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.
Ein bekanntes Beispiel ist das amerikanische E-2-Investorenvisum.
Grenada besitzt ein entsprechendes Abkommen mit den USA.
Für Investoren aus Staaten ohne E-2-Abkommen kann eine grenadische Staatsbürgerschaft deshalb strategisch interessant sein.
Für deutsche Leser ist dieser spezielle Vorteil allerdings weit weniger relevant: Deutschland selbst ist bereits E-2-Vertragsstaat.
Man sollte also keinen sechsstelligen Betrag für einen Vorteil bezahlen, den man mit seinem bestehenden Pass ohnehin besitzt.
Können Deutsche eine zweite Staatsbürgerschaft behalten?
Hier hat sich in Deutschland fundamental etwas geändert.
Seit dem 27. Juni 2024 führt der freiwillige Erwerb einer ausländischen Staatsangehörigkeit auf Antrag grundsätzlich nicht mehr zum Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit.
Die frühere Beibehaltungsgenehmigung wurde abgeschafft.
Das macht Citizenship by Investment für deutsche Staatsangehörige wesentlich unkomplizierter.
Trotzdem muss natürlich das andere Land ebenfalls Mehrstaatigkeit zulassen.
Österreich: unbedingt vor dem Antrag prüfen
Für Österreicher gelten völlig andere Regeln.
Österreich akzeptiert Doppel- oder Mehrfachstaatsbürgerschaften grundsätzlich nur eingeschränkt.
Wer freiwillig eine andere Staatsangehörigkeit erwirbt, verliert grundsätzlich die österreichische Staatsbürgerschaft, sofern nicht vorher eine entsprechende Beibehaltungsbewilligung erteilt wurde.
Wer einen österreichischen Pass besitzt, sollte deshalb niemals einfach ein CBI-Verfahren starten, ohne sich vorher individuell staatsangehörigkeitsrechtlich beraten zu lassen.
Österreich: unbedingt vor dem Antrag prüfen
Für Österreicher gelten völlig andere Regeln.
Österreich akzeptiert Doppel- oder Mehrfachstaatsbürgerschaften grundsätzlich nur eingeschränkt.
Wer freiwillig eine andere Staatsangehörigkeit erwirbt, verliert grundsätzlich die österreichische Staatsbürgerschaft, sofern nicht vorher eine entsprechende Beibehaltungsbewilligung erteilt wurde.
Wer einen österreichischen Pass besitzt, sollte deshalb niemals einfach ein CBI-Verfahren starten, ohne sich vorher individuell staatsangehörigkeitsrechtlich beraten zu lassen.
Citizenship-by-Investment-Programme 2026 im Vergleich
Die folgende Übersicht zeigt die ungefähre günstigste Einstiegsmöglichkeit für einen einzelnen Hauptantragsteller.
| Land | Einstieg ab | Typ | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| São Tomé und Príncipe | 90.000 USD | staatlicher Fonds | Neues Programm seit 2025 |
| Nauru | 115.000 USD | staatlicher Beitrag | Sehr junges Programm |
| Vanuatu | 130.000 USD | Beitrag | Schnell, aber EU- und UK-Visafreiheit verloren |
| Dominica | 200.000 USD | staatlicher Fonds | Etabliertes Karibikprogramm |
| Antigua & Barbuda | 230.000 USD | staatlicher Fonds | Für Familien interessant |
| Grenada | 235.000 USD | staatlicher Fonds | E-2-Abkommen mit den USA |
| St. Lucia | 240.000 USD | staatlicher Fonds | Mehrere Investmentvarianten |
| St. Kitts & Nevis | 250.000 USD | staatlicher Beitrag | Ältestes CBI-Programm |
| Ägypten | 250.000 USD | staatlicher Beitrag | Alternativ Immobilien/Unternehmen |
| Türkei | 400.000 USD | Immobilien | Substanzielles Immobilieninvestment |
Wichtig: Das ist nicht der Gesamtpreis. Zusätzlich entstehen je nach Programm Due-Diligence-, Bearbeitungs-, Pass-, Agenten-, Interview- und Familiengebühren.
1. São Tomé und Príncipe – der neue Preisbrecher
São Tomé und Príncipe ist einer der interessantesten Neuzugänge auf dem CBI-Markt.
Der kleine afrikanische Inselstaat im Golf von Guinea hat 2025 ein Citizenship-by-Investment-Programm eingeführt.
Der Einstieg liegt derzeit bei nur:
90.000 US-Dollar für einen einzelnen Antragsteller
beziehungsweise etwa
95.000 US-Dollar für eine Familie mit bis zu vier Personen
zuzüglich weiterer Gebühren. Das Programm basiert auf einer Einzahlung in den National Transformation Fund. Laut dem Honorarkonsulat des Landes in Deutschland ist kein Wohnsitz oder persönlicher Besuch erforderlich und die Bearbeitung kann etwa zwei Monate dauern.
Vorteile
- derzeit eines der günstigsten CBI-Programme weltweit
- niedriger Familienaufschlag
- kein Immobilieninvestment notwendig
- vergleichsweise schneller Prozess
- vollständige Staatsbürgerschaft statt Residency
Nachteile
Der entscheidende Punkt ist das Alter des Programms.
Es existiert erst seit 2025.
Damit fehlen jahrzehntelange Erfahrungswerte, wie sie beispielsweise Dominica oder St. Kitts besitzen.
Auch der Reisepass ist hinsichtlich internationaler Reisefreiheit deutlich weniger attraktiv als die etablierten karibischen Alternativen.
Für wen interessant?
Für jemanden mit bereits starkem Erstpass kann São Tomé deshalb interessanter sein als für jemanden, der maximale visumfreie Mobilität sucht.
Wer einfach möglichst günstig eine zweite vollwertige Staatsangehörigkeit als Plan B erwerben möchte, sollte das Programm zumindest beobachten.
2. Nauru – Staatsbürgerschaft für Klimainvestitionen
Auch Nauru gehört zu den neuen Spielern.
Die kleine pazifische Inselrepublik hat mit ihrem Economic and Climate Resilience Citizenship Program ein eigenes CBI-Modell geschaffen.
Die reguläre Contribution beträgt derzeit:
115.000 US-Dollar für den Hauptantragsteller.
Eine zeitlich begrenzte Sonderkondition von 90.000 US-Dollar galt nur für Anträge bis zum 30. Juni 2026 und ist damit inzwischen ausgelaufen.
Zusätzlich fallen unter anderem Application-, Due-Diligence-, Banking- und Passport-Gebühren an.
Das Programm wurde gesetzlich 2024 geschaffen und wird inzwischen aktiv genutzt. Die Regierung berichtete Anfang 2026 bereits über erste genehmigte und abgelehnte Antragsteller.
Vorteile
- niedrige Einstiegssumme
- klare staatliche Struktur
- Familienmitglieder können eingebunden werden
- interessante Alternative zu klassischen Karibikprogrammen
Nachteile
Auch hier gilt:
Das Programm ist jung.
Nauru besitzt außerdem einen sehr kleinen Staat und einen Reisepass, dessen internationale Mobilität nicht mit den stärksten karibischen Programmen vergleichbar ist.
Für reine Passmobilität wäre Nauru deshalb nicht meine erste Wahl.
Als preiswerte zusätzliche Nationalität kann es dagegen interessant werden.
3. Vanuatu – günstig und schnell, aber ein wichtiges Warnsignal
Vanuatu war lange eines der populärsten Programme für Menschen, die möglichst schnell einen zweiten Pass wollten.
Beim Development Support Program beträgt der vorgeschriebene Mindestverkaufspreis für einen einzelnen Antragsteller 130.000 US-Dollar.
Auf dem Papier klingt das attraktiv.
Vanuatu zeigt aber gleichzeitig sehr gut, warum man einen Pass nicht ausschließlich anhand der aktuellen Visafreiheit bewerten sollte.
Die Europäische Union hatte die Visafreiheit zunächst ausgesetzt und beschloss Ende 2024 schließlich, Vanuatu wegen der Bedenken rund um seine Investor-Citizenship-Programme aus der Liste der visumbefreiten Staaten zu entfernen.
Auch das Vereinigte Königreich führte 2023 eine Visumpflicht für Staatsbürger Vanuatus ein und begründete dies ausdrücklich mit Risiken im Zusammenhang mit dem CBI-System.
Die wichtigste Lektion
Ein Reisepass ist kein garantiertes Bündel lebenslanger Visaabkommen.
Andere Staaten können ihre Einreisebestimmungen jederzeit ändern.
Für deutsche Staatsbürger ist der Verlust der Schengen-Visafreiheit eines Zweitpasses praktisch weniger dramatisch – schließlich besitzt man weiterhin den deutschen Pass.
Er reduziert allerdings den eigenständigen strategischen Wert des zweiten Passes erheblich.
4. Dominica – der Klassiker für Einzelantragsteller
Nicht zu verwechseln mit der Dominikanischen Republik.
Die Commonwealth of Dominica betreibt bereits seit 1993 ein Citizenship-by-Investment-Programm.
Es gibt zwei zentrale Optionen.
Economic Diversification Fund
Die einfachste Variante ist eine nicht rückzahlbare Einzahlung.
Für einen einzelnen Antragsteller beträgt sie:
200.000 US-Dollar
Für den Hauptantragsteller und bis zu drei qualifizierte Familienmitglieder:
250.000 US-Dollar.
Immobilien
Alternativ können mindestens:
200.000 US-Dollar
in ein staatlich genehmigtes Immobilienprojekt investiert werden.
Zusätzlich fällt bei der Immobilienoption für einen einzelnen Antragsteller eine Government Fee ab 75.000 US-Dollar an.
Bearbeitungsdauer
Die Behörde nennt für das Verfahren typischerweise ungefähr drei bis sechs Monate.
Vorteile
- seit Jahrzehnten etabliert
- relativ einfache Fondsoption
- klar regulierter Prozess
- interessante Kostenstruktur für Einzelpersonen
Nachteile
Auch Dominica musste bereits einen Verlust an Reisefreiheit hinnehmen: Das Vereinigte Königreich führte 2023 eine Visumpflicht für dominicanische Staatsbürger ein und verwies dabei ebenfalls auf das CBI-Programm.
Das sollte man bei der Bewertung des Passes berücksichtigen.
5. Antigua und Barbuda – besonders interessant für Familien
Antigua und Barbuda betreibt sein CBI-Programm seit 2013.
Die günstigste Variante ist derzeit eine Einzahlung in den National Development Fund.
Die Contribution beträgt:
230.000 US-Dollar
sowohl für einen einzelnen Antragsteller als auch für eine Familie mit bis zu vier Personen.
Hinzu kommen Processing- und Due-Diligence-Gebühren.
Das macht Antigua insbesondere für Familien interessant.
Weitere Möglichkeiten
Alternativ existieren unter anderem:
- Immobilien ab 300.000 US-Dollar
- Business Investment ab 1,5 Millionen US-Dollar
- University of the West Indies Fund ab 260.000 US-Dollar für entsprechende Familienkonstellationen.
Eine Besonderheit: fünf Tage Aufenthalt
Antigua ist nicht komplett „Passport and forget“.
CBI-Staatsbürger müssen innerhalb der ersten fünf Jahre nach Erwerb insgesamt mindestens fünf Tage im Land verbringen.
Die Passverlängerung hängt ebenfalls von dieser Voraussetzung ab.
Fünf Tage in fünf Jahren sind natürlich keine große Belastung.
Und seien wir ehrlich: Es gibt unangenehmere Verpflichtungen als ein paar Tage auf Antigua.
6. Grenada – der strategisch interessante Karibikpass
Grenada gehört zu den spannendsten Programmen der Region.
Die günstigste Variante ist die Einzahlung in den National Transformation Fund.
Für einen einzelnen Antragsteller oder eine Familie mit bis zu vier Personen beträgt die Contribution:
235.000 US-Dollar.
Immobilien
Bei zugelassenen touristischen Projekten ist ein Investment ab:
270.000 US-Dollar
möglich, zusätzlich zu einer Government Contribution von 50.000 US-Dollar.
Andere zugelassene Projekte können einen Mindestbetrag von 350.000 US-Dollar verlangen.
Das E-2-Argument
Grenada ist eines der CBI-Länder mit einem E-2-Investorenabkommen mit den USA.
Grenadische Staatsbürger können deshalb grundsätzlich ein amerikanisches E-2-Visum beantragen, wenn sie zusätzlich die Voraussetzungen dieses Visums erfüllen.
Wichtig:
Der Grenada-Pass gibt dir nicht automatisch ein Aufenthaltsrecht in den USA.
Er eröffnet lediglich die Nationalitätsvoraussetzung für den E-2-Antrag.
Und nochmals speziell für Travelicia-Leser aus Deutschland:
Deutschland besitzt selbst bereits ein E-2-Abkommen mit den USA.
Für einen Deutschen ist dieses Verkaufsargument deshalb weit weniger wichtig als beispielsweise für einen chinesischen Staatsbürger.
Positiv: hartes Vorgehen gegen Rabatte
Grenadas Behörde ging zuletzt öffentlich gegen illegale Rabatte und unerlaubte Finanzierungsmodelle innerhalb des CBI-Programms vor.
Anträge wurden deswegen sogar abgelehnt.
Das ist einerseits ein Warnsignal.
Andererseits ist eine konsequente Durchsetzung der gesetzlichen Mindestpreise langfristig gut für die Glaubwürdigkeit eines solchen Programms.
7. St. Lucia – flexibel und familienfreundlich
St. Lucia bietet ebenfalls ein etabliertes karibisches Programm.
Die Einzahlung in den National Economic Fund beträgt derzeit:
240.000 US-Dollar
für den Hauptantragsteller und bis zu drei weitere qualifizierte Familienmitglieder.
Damit kann St. Lucia für Familien interessant sein.
Daneben bestehen weitere Investmentmöglichkeiten, unter anderem über Immobilien, staatliche Anleihen beziehungsweise genehmigte Projekte.
Die karibischen CBI-Staaten haben ihre Regeln in den vergangenen Jahren stärker harmonisiert. Antigua und Barbuda, Dominica, Grenada, St. Kitts und Nevis sowie St. Lucia vereinbarten unter anderem gemeinsame Mindeststandards und einen Mindestpreis von 200.000 US-Dollar für CBI-Optionen.
8. St. Kitts und Nevis – das Urgestein der Branche
Wenn es ein „Original“ unter den modernen CBI-Programmen gibt, dann ist es St. Kitts und Nevis.
Das Programm existiert seit 1984 und gilt damit als das älteste seiner Art.
Die einfachste Option ist die Sustainable Island State Contribution.
Der Mindestbetrag beträgt derzeit:
250.000 US-Dollar für einen einzelnen Antragsteller oder eine Familie mit bis zu vier Personen.
Weitere Optionen
Daneben bestehen:
- Public Benefit Option ab 250.000 US-Dollar
- Developer Real Estate ab 325.000 US-Dollar
- genehmigte Eigentumswohnungen beziehungsweise Anteile ab 325.000 US-Dollar
- bestimmte Einfamilienhäuser ab 600.000 US-Dollar.
Bei Immobilien gilt grundsätzlich eine mehrjährige Haltefrist.
Due Diligence
Das Programm verlangt inzwischen unter anderem ein Interview des Hauptantragstellers.
Auch Familienmitglieder ab einem bestimmten Alter können zu einem Interview aufgefordert werden.
Wer ein etabliertes Programm mit jahrzehntelanger Historie bevorzugt, sollte St. Kitts deshalb weiterhin auf der Liste haben.
Der älteste Anbieter ist allerdings nicht automatisch der beste oder günstigste.
9. Ägypten – eine interessante Alternative außerhalb der klassischen Inselprogramme
Ägypten wird bei Diskussionen über zweite Staatsbürgerschaften erstaunlich selten erwähnt.
Dabei existiert dort ebenfalls ein gesetzliches Investor-Citizenship-System.
Die günstigste Variante ist eine nicht rückzahlbare Zahlung von:
250.000 US-Dollar
an die Staatskasse.
Daneben bestehen nach der aktuellen Regelung unter anderem Möglichkeiten über:
- Immobilien ab etwa 300.000 US-Dollar
- Unternehmensinvestments ab etwa 350.000 US-Dollar zuzüglich einer staatlichen Zahlung
- einen Bankdeposit von etwa 500.000 US-Dollar.
Die staatliche Investmentbehörde GAFI unterhält dafür eine eigene Einheit zur Bearbeitung von Staatsangehörigkeitsanträgen.
Für wen könnte Ägypten interessant sein?
Der ägyptische Pass ist kein Upgrade gegenüber einem deutschen Pass, wenn man ausschließlich Reisefreiheit betrachtet.
Interessanter kann die Staatsbürgerschaft sein, wenn eine tatsächliche geschäftliche oder persönliche Verbindung zu Ägypten, Nordafrika oder der arabischen Welt besteht.
Bei Ägypten würde ich vor Antragstellung allerdings besonders sorgfältig die jeweils aktuellen gesetzlichen Details, Familienregeln und möglichen persönlichen Verpflichtungen prüfen.
10. Türkei – Citizenship by Real Estate
Die Türkei unterscheidet sich deutlich von vielen Inselprogrammen.
Hier geht es nicht primär um eine Spende.
Eine der bekanntesten Varianten ist der Immobilienkauf.
Wer Immobilien im Wert von mindestens:
400.000 US-Dollar
erwirbt und die gesetzlichen Bedingungen erfüllt, kann sich grundsätzlich für die außergewöhnliche Einbürgerung qualifizieren.
Die Immobilie muss mit einer entsprechenden Verkaufssperre für mindestens drei Jahre versehen werden.
Alternativ existieren verschiedene Investmentwege ab rund 500.000 US-Dollar, beispielsweise über:
- bestimmte Bankeinlagen,
- Kapitalinvestitionen,
- Staatsanleihen,
- bestimmte Investmentfonds.
Vorteile
Im Gegensatz zu einer Donation besitzt man nach dem Verfahren ein reales Asset.
Das Geld ist also nicht zwangsläufig vollständig „weg“.
Aber Vorsicht
Eine 400.000-Dollar-Immobilie ist nicht automatisch eine gute 400.000-Dollar-Immobilie.
Genau darin liegt eines der größten Risiken immobilienbasierter CBI-Programme.
Der Pass darf niemals die Investmentprüfung ersetzen.
Wenn eine Wohnung nur deshalb 400.000 Dollar kostet, weil ein ausländischer Käufer dringend eine CBI-fähige Immobilie benötigt, sollte man sehr genau hinschauen.
Lage, tatsächlicher Marktwert, Mietrendite, Liquidität, Steuern und spätere Verkaufsmöglichkeiten gehören separat geprüft.
Gibt es noch einen EU-Pass durch Investment?
Das ist eine der häufigsten Fragen.
Die kurze Antwort lautet:
Einen klassischen EU-Pass einfach gegen eine festgelegte Investmentzahlung zu kaufen, ist 2026 keine realistische Option mehr.
Malta hatte lange das prominenteste entsprechende Modell innerhalb der Europäischen Union.
Der Europäische Gerichtshof entschied jedoch am 29. April 2025, dass das maltesische Investor-Citizenship-System gegen EU-Recht verstößt.
Nach Auffassung des Gerichts darf Unionsbürgerschaft nicht das Ergebnis einer kommerziellen Transaktion gegen vorab definierte Zahlungen oder Investments sein.
Wer heute behauptet, er könne dir problemlos einen EU-Pass gegen eine einmalige Investition verkaufen, sollte daher erhebliche Skepsis auslösen.
Was ist mit Portugal, Griechenland oder den VAE?
Das sind Residence-by-Investment-Programme, keine direkten Citizenship-by-Investment-Programme.
Und diese Unterscheidung ist entscheidend.
Eine Investor Residency kann trotzdem strategisch sinnvoll sein.
Ein Beispiel:
Du erhältst zunächst eine Aufenthaltserlaubnis und kannst nach mehreren Jahren bei Erfüllung sämtlicher Voraussetzungen möglicherweise eine Einbürgerung beantragen.
Das kann langfristig sogar wertvoller sein als ein klassisches CBI-Programm.
Es ist aber ein völlig anderer Weg.
Wer einen Pass innerhalb weniger Monate möchte, sucht nach CBI.
Wer dagegen einen langfristigen Aufenthalts- und Einbürgerungspfad sucht, sollte Residence-by-Investment betrachten.
Was ist mit Portugal, Griechenland oder den VAE?
Das sind Residence-by-Investment-Programme, keine direkten Citizenship-by-Investment-Programme.
Und diese Unterscheidung ist entscheidend.
Eine Investor Residency kann trotzdem strategisch sinnvoll sein.
Ein Beispiel:
Du erhältst zunächst eine Aufenthaltserlaubnis und kannst nach mehreren Jahren bei Erfüllung sämtlicher Voraussetzungen möglicherweise eine Einbürgerung beantragen.
Das kann langfristig sogar wertvoller sein als ein klassisches CBI-Programm.
Es ist aber ein völlig anderer Weg.
Wer einen Pass innerhalb weniger Monate möchte, sucht nach CBI.
Wer dagegen einen langfristigen Aufenthalts- und Einbürgerungspfad sucht, sollte Residence-by-Investment betrachten.
Wie läuft ein Citizenship-by-Investment-Antrag ab?
Die Details unterscheiden sich je nach Land, aber das Grundprinzip ist meistens ähnlich.
Schritt 1: Programm auswählen
Zunächst sollte klar sein, warum du überhaupt einen zweiten Pass willst.
Reisefreiheit?
Plan B?
Familie?
USA-Strategie?
Immobilieninvestment?
Reine Diversifikation?
Erst dann ergibt die Länderauswahl Sinn.
Schritt 2: Zugelassenen Agenten prüfen
Bei vielen Programmen kann der Antrag nicht direkt beim Staat eingereicht werden.
Du benötigst einen offiziell lizenzierten Agenten.
Prüfe diesen deshalb direkt im Register der zuständigen Regierungsbehörde.
Nicht anhand eines Logos auf einer Website.
Nicht anhand eines Screenshots.
Nicht anhand eines WhatsApp-Versprechens.
Direkt beim Staat.
Schritt 3: Pre-Screening
Ein seriöser Anbieter sollte zunächst prüfen, ob mögliche Probleme bestehen.
Dazu können gehören:
- Vorstrafen,
- frühere Visaablehnungen,
- politische Exposition,
- Sanktionen,
- komplexe Unternehmensstrukturen,
- ungeklärte Vermögensherkunft,
- negative Medienberichte.
Schritt 4: Source of Funds und Source of Wealth
Ein Kontostand von 500.000 Dollar beweist noch nicht, woher das Geld stammt.
Die Behörden möchten häufig nachvollziehen können, wie das Vermögen entstanden ist.
Zum Beispiel durch:
- Unternehmensgewinne,
- Gehalt,
- Immobilienverkauf,
- Kapitalanlagen,
- Erbschaft,
- Unternehmensverkauf.
Das ist Source of Wealth.
Anschließend muss nachvollziehbar sein, woher genau das Geld für das Investment stammt.
Das ist Source of Funds.
Schritt 5: Antrag und Due Diligence
Nun erfolgt die eigentliche Prüfung.
Dabei können internationale Datenbanken, Behördeninformationen, Strafregister, Medienquellen und externe Due-Diligence-Unternehmen einbezogen werden.
Einige Programme führen inzwischen zusätzlich Interviews durch.
Schritt 6: Approval in Principle
Bei vielen Programmen erfolgt die große Contribution beziehungsweise das finale Investment erst nach einer grundsätzlichen Genehmigung.
Das reduziert das Risiko, sechsstellige Summen einzuzahlen und anschließend abgelehnt zu werden.
Schritt 7: Investment
Nach der Genehmigung wird die vorgeschriebene Zahlung beziehungsweise Investition durchgeführt.
Schritt 8: Staatsbürgerschaft und Pass
Nach Abschluss erhält der Antragsteller normalerweise zunächst eine Einbürgerungs- oder Registrierungsurkunde.
Anschließend wird der Reisepass beantragt.
Warum Due Diligence immer wichtiger wird
Die Zeiten, in denen CBI als diskreter Schnellpass für jeden mit ausreichend Geld verkauft werden konnte, gehen zunehmend zu Ende.
Die fünf karibischen CBI-Staaten haben ihre Programme stärker harmonisiert und gemeinsame Standards vereinbart.
Gleichzeitig nimmt der Druck anderer Staaten zu.
Die EU hat ihren Visa-Suspensionsmechanismus Ende 2025 ausdrücklich verschärft.
Dabei werden Citizenship-by-Investment-Programme ohne ausreichende echte Verbindung zum jeweiligen Land ausdrücklich als möglicher Grund für die Suspendierung visumfreier Einreise genannt.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Ein seriöses CBI-Programm muss nicht nur Investoren zufriedenstellen.
Es muss gleichzeitig dafür sorgen, dass andere Staaten weiterhin Vertrauen in seinen Reisepass haben.
Vorsicht vor „Sonderrabatten“
Ein weiteres Warnsignal sind Agenten, die ein offizielles Programm deutlich unter dem gesetzlichen Mindestpreis anbieten.
So etwas wird gerne kreativ verpackt:
- Developer Financing
- Cashback
- Special Promotion
- Limited Allocation
- Discounted Share
- Financing Program
Nicht jeder Bonus ist automatisch illegal.
Aber wenn die gesetzlich vorgeschriebene Mindestinvestition faktisch unterschritten wird, sollte man äußerst vorsichtig sein.
Grenada hat 2025 ausdrücklich vor illegalem Discounting und unzulässiger Finanzierung gewarnt und Anträge in diesem Zusammenhang abgelehnt.
Für mich wäre deshalb eine Grundregel:
Wenn das Angebot deutlich günstiger ist als auf der offiziellen Regierungsseite, ist das kein Schnäppchen, sondern ein Grund zur Recherche.
Donation oder Immobilie – was ist besser?
Viele Programme bieten beide Varianten.
Die Donation ist psychologisch zunächst unangenehm.
200.000 Dollar überweisen und das Geld ist weg.
Eine Immobilie für 300.000 Dollar klingt dagegen besser:
Ich bekomme wenigstens etwas für mein Geld.
Ganz so einfach ist es nicht.
CBI-Immobilien befinden sich häufig in einem speziellen Markt.
Du darfst teilweise nur staatlich genehmigte Projekte kaufen.
Der Kreis späterer Käufer kann begrenzt sein.
Es bestehen Haltefristen.
Und manche Projekte sind preislich schwer mit normalen Immobilien vor Ort vergleichbar.
Eine Donation kostet beispielsweise 200.000 Dollar.
Eine Immobilie kostet vielleicht:
- 300.000 Dollar Kaufpreis,
- 50.000 Dollar Government Fee,
- zusätzliche Gebühren,
- mehrere Jahre Kapitalbindung,
- laufende Kosten,
- und besitzt möglicherweise nur eingeschränkte Liquidität.
Deshalb sollte man immer den wirtschaftlichen Gesamtverlust vergleichen und nicht Donation versus Kaufpreis.
Welches CBI-Programm ist 2026 das beste?
Das hängt komplett vom Ziel ab.
Möglichst günstig
São Tomé und Príncipe
Mit rund 90.000 US-Dollar ist das Programm derzeit außergewöhnlich günstig.
Dafür erhält man einen weniger mobilen Pass und ein Programm mit kurzer Historie.
Günstige zweite Staatsangehörigkeit mit etwas mehr etabliertem Markt
Dominica
Das Programm existiert seit Jahrzehnten und besitzt eine relativ klare Kostenstruktur.
Familie mit mehreren Personen
Antigua & Barbuda, Grenada, St. Lucia oder St. Kitts
Hier kann die Familienpreisstruktur wesentlich attraktiver sein als die reine Betrachtung des Single-Applicant-Preises vermuten lässt.
Familie mit mehreren Personen
Antigua & Barbuda, Grenada, St. Lucia oder St. Kitts
Hier kann die Familienpreisstruktur wesentlich attraktiver sein als die reine Betrachtung des Single-Applicant-Preises vermuten lässt.
Immobilien statt Donation
Türkei
Hier steht ein tatsächliches Immobilieninvestment stärker im Vordergrund.
Allerdings muss die Immobilie genauso streng geprüft werden wie jedes andere Investment.
Geschwindigkeit
Vanuatu oder São Tomé und Príncipe
Vanuatu verliert wegen seiner verschlechterten Visa-Mobilität allerdings deutlich an Attraktivität.
Längste Historie
St. Kitts und Nevis
Das Programm läuft seit 1984.
Mein Blick darauf: Der zweite Pass ist eine Versicherung, kein Lifestyle-Produkt
Es gibt eine interessante Parallele zu Versicherungen.
Niemand kauft eine gute Versicherung mit dem Ziel, sie möglichst schnell benutzen zu müssen.
Man besitzt sie, weil sie im falschen Moment plötzlich extrem wertvoll werden kann.
So kann man auch eine zweite Staatsbürgerschaft betrachten.
Solange alles funktioniert, erscheint sie vielleicht unnötig.
Du hast deinen deutschen Pass.
Du kannst reisen.
Du hast deinen Wohnsitz.
Du hast Bankkonten.
Du kannst dein Unternehmen betreiben.
Warum also 100.000 oder 250.000 Dollar für einen weiteren Pass ausgeben?
Weil Optionen ihren größten Wert häufig genau dann haben, wenn sie schwer zu bekommen sind.
Das bedeutet nicht, dass jeder eine zweite Staatsbürgerschaft braucht.
Ganz im Gegenteil.
Für die meisten Menschen wäre es vermutlich sinnvoller, zunächst andere Bereiche international zu diversifizieren:
- einen guten zweiten Wohnsitz,
- internationale Bankbeziehungen,
- liquide Reserven,
- ein geografisch diversifiziertes Portfolio,
- unternehmerische Flexibilität.
Eine zweite Staatsbürgerschaft ist eher die nächste Stufe.
Aber für jemanden, der langfristig international lebt und sein Leben bewusst über mehrere Länder verteilt, kann sie durchaus Sinn ergeben.
Die größten Risiken einer Citizenship-by-Investment-Strategie
1. Visaabkommen können verschwinden
Vanuatu ist das beste Beispiel.
Visa-Free Access ist kein Eigentumsrecht.
2. Programme können geändert werden
Mindestinvestitionen können steigen.
Familienregeln können geändert werden.
Neue Interviews oder Aufenthaltsanforderungen können eingeführt werden.
3. Immobilien können überteuert sein
Der Pass macht aus einer schlechten Immobilie kein gutes Investment.
4. Die Staatsbürgerschaft löst keine Banking-Probleme automatisch
Banken prüfen weiterhin:
- Wohnsitz,
- Steuerresidenz,
- wirtschaftlich Berechtigte,
- Herkunft des Geldes,
- Geschäftstätigkeit.
5. CBI beseitigt CRS nicht
Ein zweiter Pass verändert nicht automatisch deine steuerliche Identität.
6. Geopolitik spielt eine Rolle
CBI-Programme stehen international unter Beobachtung.
Die EU hat ihren Visa-Suspensionsmechanismus inzwischen ausdrücklich um Investor-Citizenship-Systeme erweitert.
7. Eine zweite Staatsangehörigkeit kann auch Pflichten erzeugen
Je nach Land können Themen wie:
- Militärdienst,
- lokale Meldepflichten,
- Erbrecht,
- Familienrecht,
- steuerliche Regeln,
- konsularischer Schutz
eine Rolle spielen.
Das sollte vor der Einbürgerung geprüft werden und nicht danach.
Meine Checkliste vor dem Kauf eines zweiten Passes
Bevor du sechsstellige Summen investierst, würde ich mindestens diese Fragen beantworten:
- Was ist mein konkretes Ziel?
- Brauche ich wirklich Citizenship oder reicht eine Residency?
- Darf ich meine bisherige Staatsangehörigkeit behalten?
- Welche Rechte gibt mir der neue Pass tatsächlich?
- Welche Pflichten entstehen?
- Wie lange existiert das Programm bereits?
- Wie stabil ist die Regierung dahinter?
- Wie abhängig ist der Pass von Visaabkommen?
- Wie sieht die Familienregelung aus?
- Kann die Staatsbürgerschaft an Kinder weitergegeben werden?
- Gibt es einen Mindestaufenthalt?
- Wie sieht der vollständige Gesamtpreis aus?
- Welche Due-Diligence-Anforderungen gelten?
- Ist mein Agent auf der offiziellen staatlichen Liste?
- Ist eine angebotene Immobilie auch ohne Pass ein gutes Investment?
- Welche Haltefrist besteht?
- Gibt es Risiken hinsichtlich Militärdienst oder anderer Bürgerpflichten?
- Welche Auswirkungen bestehen auf meine bestehende Staatsangehörigkeit?
- Welche steuerlichen Folgen könnten entstehen?
- Würde ich den Pass auch dann noch wollen, wenn morgen ein wichtiges Visaabkommen wegfällt?
Besonders die letzte Frage ist hilfreich.
Wenn die Antwort Nein lautet, kaufst du möglicherweise weniger eine Staatsbürgerschaft als ein Visaabkommen.
Und das kann jederzeit geändert werden.
Fazit: Eine zweite Staatsbürgerschaft kann sinnvoll sein – aber aus den richtigen Gründen
Citizenship by Investment ist längst kein exotisches Randthema mehr.
2026 reicht der Markt von jahrzehntealten karibischen Programmen bis zu neuen Angeboten wie São Tomé und Príncipe und Nauru.
Der Einstieg beginnt mittlerweile unter 100.000 US-Dollar.
Das bedeutet aber nicht, dass der billigste Pass automatisch der beste ist.
Gerade für jemanden mit deutschem oder Schweizer Pass ist zusätzliche visumfreie Reisefreiheit selten das entscheidende Argument.
Viel interessanter ist etwas anderes:
Optionalität.
Ein zweites Land, in dem du Bürger bist.
Ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht, das nicht von einem Arbeitgeber oder Visum abhängt.
Eine zusätzliche Jurisdiktion.
Ein Vermögenswert, den man – je nach nationalem Recht – möglicherweise an die nächste Generation weitergeben kann.
Und letztlich ein weiterer Baustein in einem international diversifizierten Leben.
Trotzdem würde ich Citizenship by Investment nicht an den Anfang einer Plan-B-Strategie stellen.
Wer noch keinen zweiten Wohnsitz besitzt, keine internationalen Bankbeziehungen aufgebaut hat und sein gesamtes Vermögen in einer einzigen Jurisdiktion hält, kann mit diesen Schritten möglicherweise zunächst deutlich mehr Flexibilität pro investiertem Euro erreichen.
Wer diese Grundlagen dagegen bereits geschaffen hat, für den kann eine zweite Staatsbürgerschaft der konsequente nächste Schritt sein.
Nicht weil morgen die Welt untergeht.
Sondern weil echte Freiheit häufig darin besteht, mehr als eine Option zu haben.


